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Der Motorfliegerclub im Spiegel der Zeit

Die Geschichte des Motorfliegerclubs Schwäbisch Hall (MFC) begann 1950, als sich fünf Jahre nach dem Kriegsende zirka 80 Interessierte per Zeitungsanzeige in Schwäbisch Hall einfanden, die wieder fliegen wollten. Es wurde erneut der Verein "Flug- und Arbeitsgruppe Schwäbisch Hall" (FAG) gegründet, der bereits schon 1929 unter diesem Namen existierte, aber in den Wirren der Zeit bis 1945 seine Selbstständigkeit verlor.

1945 besetzten die Amerikaner den ehemaligen Luftwaffenflugplatz Schwäbisch Hall-Hessental. In Deutschland gab es so gut wie keine Flugzeuge mehr und Fliegen war verboten. 1950 wurde der Segelflug wieder erlaubt. So begann die FAG sofort mit dem Bau eines Schulgleiters, für den noch Zeichnungen und Beschläge vorhanden waren.

Mit diesem Flugzeug begann 1951 der Flugbetrieb für Segel- und ehemalige Motorflieger am Hausberg Einkorn mit Gummiseilstart. Der Betrieb weitete sich schnell auf leistungsfähigere Segelflugzeuge wie das "Grunau-Baby","L-Spatz" und den "Zugvogel 3" aus, die mit der neu gebauten Winde gestartet wurden. Ab 1955 wurder in Deutschland der Motorflug erlaubt.

Bücker 181
Bücker 181

Die bisher segelfliegenden Motorflieger haben dann 1956 mit einer "Bücker 181", einem ehemaligen Schulflugzeug der Luftwaffe, den Motorflug wieder aufgenommen. Bald wurde der Bestand an Motorflugzeugen auf drei erhöht. Zur Bücker kam eine"Piper 18" und eine in einem Heuschober über die Kriegszeit gerettete "Erla 5A", die mit einem 18 PS DKW-Meisterklasse Motor ausgerüstet war.

 

Piper 18
Piper 18

Ein für die Fliegerei in Schwäbisch Hall ganz entscheidender Faktor war das freundschaftliche Verhältnis der Amerikaner zu den Club-Piloten, die den Clubfliegern die Benutzung des ehemaligen Luftwaffenflugplatzes in Hessental für den Segel- und Motorflug gestatteten, ohne das diese Entwicklung des Clubs nicht möglich gewesen wäre. Um eine größere Unabhängigkeit zu erreichen, hat der MFC den zivilen Graslandeplatz in Weckrieden geschaffen, auf dem ab 1965 die erforderlichen Flugzeughallen gebaut wurden.

Wegen der üblichen dürftigen Kassenlage mussten alle Anlagen wie Flugzeughallen, Rollwege, Wartungseinrichtungen, etc. durch persönliche Arbeit und Spenden der Förderer und Mitglieder erstellt werden.

Schon früh begannen einzelne Mitglieder eigene Flugzeuge zu kaufen. Durch die Mithilfe dieser Mitglieder konnte sich der Club wesentlich weiterentwickeln. Zu diesem Aufwärtstrend hat auch der aufkommende Geschäftsreiseflug beigetragen, der durch die von den Amerikanern geschaffenen Blindlandemöglichkeiten wie NDB und ab 1988 ILS (Spende Fa. Würth) erst ermöglicht wurde.

Die Symbiose von Clubfliegerei, Privat- und Geschäftsreiseflug, sowie großzügiger Spenden erlaubte eine überdurchschnittliche Entwicklung der Clubfliegerei. Der MFC ist auf die heutige Größe von ca. 200 Mitgliedern gewachsen, denen acht in hervorragendem Zustand befindliche Flugzeuge zur Verfügung stehen. Gleichzeitig konnten die Flugplatzanlagen, nach dem Abzug der Amerikaner im Jahr 1993, mit einem ILS nach deutschen Vorschriften ausgebaut werden. Inzwischen ist der dem Club zur Verfügung stehende Flugplatz als Geschäftsreiseflugplatz durch die Flugplatz SHA GmbH auf die neuesten Anforderungen nach JAR-OPS 1 ausgebaut worden. Zirka 50 Motorflugzeuge, von der Piper 18 bis zum Dassault Falcon Geschäftsreisejet, nutzen heute diese beispielhafte Flugplatzanlage und gestatten den Piloten eine großzügige Ausübung des Luftsportes und des Reisefluges.

Helmut Hüfner